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Die Klause zu Differdingen

Sagennummer: 981 in Sagenschatz des Luxemburger Landes

Kategorie: XII. Historische Sagen.

Sagengruppe: NoGroup

Gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts verlobte sich der junge Herr Erhard von Elz mit Jossine von Florange. Die Vermählung wurde jedoch um ein Jahr aufgeschoben, damit sich Erhard unter der Fahne Sigismunds von Luxemburg im Kampfe mit den Ungläubigen die Ritterwürde erwerbe. Nach manchen glücklichen Kämpfen mußte die christliche Tapferkeit der Übermacht der Muselmanen erliegen. Die wenigen Ritter, welche das furchtbare Blutbad von Nicopolis überlebten, wurden gefangen genommen. Als Jossine von Florange von heimkehrenden Pilgern vernommen, ihr Verlobter sei in der Schlacht gefallen, entsagte sie den Freuden der Welt und trat ins Kloster von Differdingen. Drei Jahre waren verflossen, da kehrte Erhard, dem es gelungen war, der Sklaverei zu entkommen, in seine Heimat zurück. Aber welches war sein Schrecken, als er hörte, daß seine Verlobte im Kloster zu Differdingen den Schleier genommen. Mit der Gnade Gottes überwand er seinen Schmerz und faßte einen Entschluß, den er noch am selben Tage seiner nunmehr Gott verlobten Braut mitteilte. Er baute sich eine Klause ganz in der Nähe des Klosters und zog sich in diese stille Einöde zurück, um sich, dem Beispiele seiner Braut folgend, ganz Gott zu weihen. Und jedesmal, wenn der Klausner sein Glöckchen zum Angelus ertöuen ließ, vereinten Braut und Bräutigam ihre gottgeweihten Herzen im Gebete und brachten dem Herrn das wohlgefällige Opfer ihrer Entsagung dar. Eines Tages ertönte das Glöcklein nicht mehr zum Angelus, und Jossine sandte allein ihr Gebet zum Himmel für die Seelenruhe ihres Verlobten. L’fiv6que de la Basse Moülurte, 113

Ortschaft: Differdingen